Was ist Conscious Parenting?



Was ist Conscious Parenting?

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt und zu Beginn ist es oft schwierig, sich etwas Konkretes unter diesem Begriff vorzustellen. Conscious Parenting ist ein Konzept, das von Dr. Shefali Tsubary entwickelt wurde und das westliche Psychologie mit östlicher Philosophie verbindet. Demnach kommen unsere Kinder nicht «von» uns sondern «durch» uns und spiegeln uns die Teile von uns selbst, denen wir Aufmerksamkeit schenken und die wir heilen müssen. Eltern sein zu dürfen wird somit zur Einladung, uns selbst durch die Herausforderungen, die unsere Kinder uns präsentieren, weiter zu entwickeln und in einen Zustand der Ganzheitlichkeit hineinwachsen.


Conscious Parenting ist keine Technik, die wir nur in bestimmten Situationen anwenden, es ist eine Philosophie, eine Art zu leben. Sie setzt voraus, dass wir an unserem eigenen Wachstum interessiert sind und uns nicht scheuen, uns mit unseren Schwächen und Unzulänglichkeiten auseinander zu setzen. Doch was hat das mit Erziehung zu tun? Nun, wenn wir uns selber besser kennen und verstehen, wieso wir uns in gewissen Situation von unseren Kindern «getriggert» fühlen, können wir lernen, weniger zu reagieren. Wir schreien unsere Kinder nicht mehr an, reagieren nicht mehr gereizt oder wütend. Wir durchbrechen negative Verhaltens-muster, die meist in unserer eigenen Kindheit entstanden sind.



Conscious Parenting gibt uns die Chance, uns zur besten Version unserer Selbst zu entwickeln. Auf diese Weise können wir authentischere und empathischere Kinder grossziehen. Kinder, die gesunde Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen können. Kinder, die für sich selbst und andere einstehen können. Kinder, die die Standpunkte anderer respektieren und menschliche Unterschiede akzeptieren. Kinder, die wissen, dass ihr Wert darin liegt, einfach sie selbst zu sein und nicht den Erwartungen anderer hinterhereifern. Diese Kinder werden zu Erwachsenen, die weniger anfällig für Depressionen, Angstzustände und andere psychische Störungen sind.


Und obwohl das Konzept komplex ist, gibt es einige Punkte, die ich persönlich für den Schlüssel dieser Philosophie halte:


Bei Conscious Parenting geht es mehr um die Eltern als um das Kind

Wie ich bereits erwähnt habe, beginnt die Arbeit bei uns selbst. Wir als Eltern geben das Gute und das weniger Gute (das Bewusste und das Unbewusste) an unsere Kinder weiter. Doch was ist weniger Gutes? Wir alle haben Wunden aus unserer Kindheit, aus früheren Beziehungen und dem Leben selbst. Wenn wir uns «getriggert» fühlen, wird eine dieser Wunden aktiviert und wir fallen in ein reaktives Verhalten. Wir schreien, sind genervt, gestresst, fressen unsere Gefühle in uns hinein oder strafen unsere Kinder mit Schweigen. Damit unsere Kinder ihr Leben als Erwachsene gut meistern können, möchten wir ihnen aber eigentlich beibringen, wie ein reifer Umgang mit starken Emotionen und Konflikten aussieht und wir man sich selber reguliert. Um unseren Kindern ein kompetenter Lehrer zu sein, müssen wir diese Kunst zuerst selber beherrschen. Dabei helfen uns die Methodiken des Con


scious Parenting.


Die Verbindung zum Kind steht im Fokus

Hinter jedem Verhalten steht immer ein Grund oder ein Wunsch. Kinder sind da keine Ausnahme. Anstatt dem Kind die Schuld für sein "schlechtes" Verhalten zu geben, können wir uns mit ihm verbinden, seine Bedürfnisse bestätigen und verstehen, woher es kommt. Das Kind wird sich dann akzeptiert und bestätigt fühlen und eher bereit sein, die Konsequenzen seines Verhaltens zu verstehen und sein Verhalten zu ändern. Verbindung ist keine Sache, die man nur zu bestimmten Anlässen tut, die Verbindung mit unseren Kindern findet jeden Tag statt. In einem Conscious Parenting Coaching lernen wir nicht nur Techniken, mit denen wir unsere Beziehung zu unserem Kind stärken können, sondern schärfen auch unser Feingefühl, damit wir alltägliche Situation besser wahrnehmen und für die Verbindung zu unserem Kind nützen können.


Das Kind akzeptieren, das wir haben

Bevor wir Eltern wurden, hatten die meisten von uns eine Vorstellung oder Erwartungen, wie unsere Kinder sein würden. Meistens unterscheiden sich diese Erwartungen von der Realität. Das Kind, das durch uns gekommen ist, ist in seiner Unvollkommenheit perfekt. Wir bekommen immer das Kind, das perfekt für uns ist. Es ist nämlich das Kind, das uns herausfordern wird selber zu wachsen und uns selber zu entwickeln. Wenn wir unser Kind so akzeptieren, wie es ist und uns auf seine guten Seiten konzentrieren, wird es sich bedingungslos geliebt fühlen. Auf diese Weise kann ein Kind mit


Selbstvertrauen aufwachsen und sich und andere später ebenfalls vollumfänglich annehmen.


Es gibt keine Hierarchien

Unser Kind ist nicht unser «Mini-Me» sondern ein eigenständiges Wesen, das respektvoll behandelt, gehört und akzeptiert werden will. Im Conscious Parenting begegnen wir unseren Kindern auf Augenhöhe und nicht «von oben herab». Wir führen unsere Kinder, setzen Grenzen und bestimmen Regeln, aber wir tun dies auf respektvolle und liebevolle Art. Wir lassen dem Kind also Raum, seine Meinung zu äussern, sich Gehör zu verschaffen und sich an gesunden Diskussion zu beteiligen oder durch fundierte Argumentation zu beweisen, dass es reif genug ist, um mehr Freiheiten zu bekommen. Wenn wir unsere Kind als eine Person sehen, von der wir ebenso viel lernen können wie es von uns, weicht die Hierarchie und Verbindung entsteht.


Conscious Parents sind mutig genug, in den Spiegel zu schauen und die Wahrheit zu sehen, ohne sie zu verstecken oder vor ihr wegzulaufen. Mach diesen ersten Schritt – es lohnt sich!


Denn wenn wir im Umgang mit unseren Kindern nicht bewusst handeln, wiederholen wir gezwungenermassen die Muster, die wir schon von unseren Eltern übernommen haben. Wenn wir aber verstehen, wie unsere Vergangenheit unsere Gegenwart beeinflussen kann, werden wir diese Muster erkennen. Nur so erlangen wir die ultimative Freiheit, die Beziehung zu unseren Kindern bewusst zu gestalten.


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